Was tun bei Sprechangst?

Was tun bei Sprechangst?

Photo by Melanie Wasser on Unsplash

Sprechangst. Angst vor vielen Leuten zu stehen. Angst vor vielen Leuten zu sprechen. Angst sich zu versprechen. Angst sich zu blamieren.

All das sind Ängste und Bedenken, die vermutlich fast jedem schonmal begegnet sind. Sei es am eigenen Leib oder bei Freundinnen/Freunden oder Bekannten.

Laut „The Book of Lists“ von William Morrow Inc. haben sich circa 40% aller Menschen schonmal konkret mit einer dieser Ängste konfrontiert gefühlt.
Ich sage: Es sind mehr als 40%.
Ich bin der Überzeugung, dass gerade im Schulalltag viele unterschiedliche Herausforderungen auf einen zukommen. Leistungsdruck und Erwartungen von anderen Menschen können SchülerInnen in Stress versetzten und Vorträge vor der ganzen Klasse zu einer Mutprobe werden lassen. Jeder von euch hatte bestimmt schonmal Lampenfieber oder Bedenken vor einem Vortrag. Jeder von euch war schonmal aufgeregt und hatte Angst zu scheitern. Das ist nichts Schlimmes, sondern ganz normal!

In stressigen Situationen schüttet unser Körper Adrenalin und Cortisol aus. Diese Hormone verursachen die klassischen Stress-Symptome, wie Schwitzen, schnelles Herzklopfen oder Kloß im Hals. Aber vorallem unterstützen sie unsere Denkfähigkeit!!

Im Stress können ungenutzte Leistungsreserven mobilisiert werden! Lampenfieber steigert also unsere Leistungsfähigkeit für die Vortragssituation.

Solltest du also aufgeregt sein: Das ist gut so! Dein Körper ist bereit den Vortrag zu halten. Also trau dich! Du schaffst das!

Hier noch ein paar Übungen, um euch auf einen Vortrag vorzubereiten:

  1. Atmung
    Die Atmung ist meist schneller, wenn wir aufgeregt und nervös sind. Hier hilft folgende Übung: ASR
    A usatmen
    S chulter
    r unter
  2. Persönlichkeit
    Durch deine Persönlichkeit sind bestimmte Verhaltensmuster vorbestimmt. Deine Erfahrungen prägen dein Verhalten maßgeblich, daher:
    Stell dich auf deinen Vortrag ein!
    Das bedeutet, dass du dich nicht nur inhaltlich auf dein Referat etc. vorbereitest, sondern eben auch auf die Vortragssituation. Wie wäre es denn mal deinen Eltern oder Geschwistern deinen Vortrag vorzustellen?
    Dadurch hast du die Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen und so aus deinen gewohnten Verhaltensmustern auszubrechen.
  3. Sprechabsicht/ Gesprächspartner*in
    Grundlage für einen erfolgreichen Vortrag ist logischerweise die Vorbereitung. Du solltest dein Thema kennen! Eine Probe für dein tatsächliches Wissen über das Thema kann sein, dass du einem „Uninformierten“ dein Thema erklärst. Das kann deine Mama, dein Papa, Geschwister aber auch dein Hund sein!

Blackout!?

Oh. Was wollte ich sagen. Was mach ich jetzt. Ich weiß nichts mehr. Ich kann mich nicht erinnern. Oh Gott. Das ist so peinlich. Alle werden merken, dass ich nichts mehr weiß.

Ein Blackout ist nicht der Verlust einer Information aus eurem Gehirn, sondern nur ein blockierter Informationszugriff. Die Information ist immer noch da! Ihr könnt einfach nur in dieser Sekunde nicht drauf zugreifen.

Was kann ich tun, um ein Blackout zu verhindern?

Prävention/ Überwindung

Verstehen!
Nicht nur auswendig lernen…

Kannst du das erklären?

Was ist, wenn ich ein Blackout während einer Präsentation habe?
Im folgenden stelle ich euch zwei verschiedene Strategien vor, die euch helfen können ein Blackout zu überwinden.

Strategie Nr. 1:

EMDR (Eye Movement Desensilization and Reprocessin)

EMDR ist ein aus der Psychotherapie stammendes Konzept, welches primär der Bewältigung von Trauma dient. Durch diese Psychotherapiemethode kommt es zur Desensibilisierung mit dem traumatisierenden Thema, welches zumeist verdrängt wird, sowie zu einer Verarbeitung der Erinnerungen durch Augenbewegungen.

Ganz klassisch wird durch ein Pendel oder einem Finger vor dem Gesicht der Person eine Bewegung von rechts nach links und wieder zurück rhythmisch durchgeführt. Durch die Augenbewegungen kommt es zu einer bilaterale Stimulation, welche das Gehirn unterstützt, die eigenen Selbstheilungskräfte aktivieren, um die belastenden Erinnerungen zu verarbeiten. Denn bei einem Trauma reagieren unsere Gehirnhälften wie folgt:

Rechte Gehirnhälfte: Bilder werden verarbeitet

Linke Gehirnhälfte: Sprachzentrum wird aktiv unterdrückt

Hierdurch kann ein „sprachloses Entsetzen“ nach einem Trauma resultieren, welches durch die Diskoordination der Gehirnhälften erklärt werden kann.

 EMDR nutzt also bilaterale Stimulation, um eine Kommunikation der beiden Gehirnhälften zu ermöglichen. Bei einem Blackout kann es nun auch zu einem „sprachlosen Entsetzen“ kommen. Hier kann nun dem Prinzip der bilateralen Stimulation in Anlehnung an EMDR gefolgt und durch verschiedene Stimulationsmöglichkeiten das Lösen aus einem solchen Blackout erleichtert werden:  

vor einem Vortrag möglich:
>> „winken“ (Augenbewegungen): von rechts nach links und wieder zurück im Raum schauen.
>> Audiospots durch Kopfhörer (akustische Stimulation): zu bilateralen Stimulation finden sich kurze Videos auf Youtube zum Anhören.

während eines Vortrags möglich:
>> abwechselndes Klopfen auf eine Körperseite (taktile Stimulation): z.B. mit den Fingern auf den Oberschenkel/ auf die Schulter, mit rechtem Daumen in rechtem Zeigefinger drücken und mit linkem Daumen in linken Zeigefinger drücken

Strategie Nr. 2:

APON

Atmen

Pause

Ordnen der Gedanken

Neue Frage/ Neustart

Diese Strategie kann vor allem im Prüfungssituationen angewendet werden. Atme in einem stressigen Moment zunächst tief durch, nimm dir eine kurze sekundenlange Pause vom Vortrag. Ordne dann deine Gedanken: z.B. bei welchem Aspekt warst du gerade? was steht auf deinen Karteikarten? Auf welcher PowerPoint-Folie bist du gerade?

UND DANN:
Bitte die prüfende Person (zB Lehrkraft) die Frage nochmal zu stellen.
ODER
Beginne nochmal mit dem letzten Stichpunkt, denn du gerade erläutern wolltest.

DU SCHAFFST DAS!

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